Wie siehst Du Deine sportliche Zukunft und was dürfen wir in naher Zukunft von Dir erwarten?

Wie siehst Du Deine sportliche Zukunft und was dürfen wir in naher Zukunft von Dir erwarten?

Ich plane, so lange es mir möglich ist, Wettkämpfe im Dreikampf zu machen. Wenn ich die Gelegenheit erhalten sollte, würde ich auch sehr gerne die Übungen des Gewichthebens erlernen, aber natürlich nur zum Spaß, und nicht für Wettkämpfe.

Als Ziele im Dreikampf für die nahe Zukunft habe ich mir gesetzt, über 400 kg in der Gesamtleistung mit Ausrüstung zu schaffen (zum Beispiel 150 kg Kniebeuge/ 85 kg Bankdrücken/ 167.5 kg Kreuzheben).

Außerdem würde ich gerne nächstes Jahr mal einen Wettkampf ohne Ausrüstung machen. Mein Ziel dafür wäre es, wenn ein Gürtel erlaubt wäre, über 350 Kilo in der Gesamtleistung zu schaffen, (z.B. 122.5 kg/ 75 kg/ 155 kg).

Ich bin mir sicher, daß so ein Raw-Wettkampf auch meinem Mann Robert sehr gut gefallen würde, der mir immer die Ausrüstung anziehen muß...

Von Deinen Konzertauftritten bist Du sicher Lampenfieber gewöhnt. Wie groß ist Deine Aufregung bei einem KDK-Wettkampf?

Insgesamt bin ich vor Konzertauftritten nur selten nervös; Schließlich bin ich schon mit 5 Jahren zum ersten Mal öffentlich aufgetreten, und habe daher viele Jahre Vorspielerfahrung. Aber selbst als ich noch sehr klein war, hatte ich kein Lampenfieber, weil meine Mutter mir geschickterweise einzureden wußte, daß die Konzertbesucher keine Ahnung von Musik hätten, und deshalb sowieso nicht merken würden, wenn ich mich mal verspielte.

Ein bißchen Lampenfieber vor Konzertauftritten bekomme ich entweder, wenn ich weiß, daß andere Musiker mir zuhören, oder wenn neue oder besonders schwierige Stücke auf dem Programm stehen. Aber selbst wenn ich vorher nervös war, vergesse ich das meistens innerhalb der ersten Minuten des Konzerts, weil ich mich dann ganz auf die Musik konzentriere.

Anders sieht das bei KDK-Wettkämpfen aus! Ich habe noch keinen Wettkampf gemacht, bei dem ich es geschafft hätte, in der Nacht zuvor mehr als drei bis vier Stunden zu schlafen. Am schlimmsten war meine Aufregung vor der Deutschen Meisterschaft im Juni 04, da habe ich in vorhergehenden Nacht nur zwei Stunden schlafen können.

Hast Du sportliche oder musikalische Vorbilder?

Vor mehreren Jahren las ich einen Artikel im Time-Magazin über eine Frau, die nicht nur Weltmeisterin im Kugelstoßen war, sondern außerdem noch Pianistin! Als sie mit ihrer Wettkampfkarriere fertig war, konzertierte sie als Pianistin und spielte insbesondere das 3. Klavierkonzert von Sergei Rachmaninoff, das auch eines meiner besonderen Lieblingskonzerte ist.

Leider habe ich mir damals nicht den Namen dieser Frau gemerkt, und da der Artikel zum Anlaß ihres Todes erschienen war, hatte ich auch keine Gelegenheit, mit ihr in Kontakt zu kommen. Aber auch wenn ich sie nicht kennenlernen konnte, war es eine große Inspiration für mich zu erfahren, daß es jemand geschafft hatte, eine Doppelkarriere im Sport und in der Musik zu haben!

Sportliche und musikalische Vorbilder, die ich persönlich kennen darf, und die mich durch ihren Charakter, ihr Talent und ihre fantastischen, in so jungem Alter schon erbrachten Leistungen immer wieder dazu motivieren, noch mehr an mir selbst zu arbeiten, sind Gunda und mein Bruder Danjulo.

Was hältst Du von anderen Kraftsportarten (zB.: Bodybuilding und Strongmen)?

Ich freue mich über alle Menschen, die sich aktiv mit irgend einer Art von Kraftsport beschäftigen- denn jede(r) Trainierende, von der älteren Dame im Fitness-Studio bis hin zum Strongman, wird durch die Beschäftigung mit dem Kraftsport immer wieder die Gelegenheit haben, sowohl auf körperlicher als auch mentaler Ebene neue ungeahnte Kräfte in sich zu entdecken, und dadurch einen persönlichen Wachstum zu erleben, der weit über den reinen Muskelaufbau hinausgeht.

Auch die Idee des Bodybuildings finde ich sehr schön. Allerdings bedauere ich etwas die Unvermeidbarkeit von Steroiden und Wachstumshormonen im professionellen Bodybuilding, und das fängt heutzutage ja schon bei Bezirksmeisterschaften an. Dies führt nicht selten auch zu überzogenen Zielsetzungen und Erwartungen bei Freizeit-Bodybuildern, die oft sogar ohne irgendwelche Wettkampfabsichten durch Steroidkonsum ihre Gesundheit gefährden, um dem zweifelhaften Beispiel der Profis nachzueifern.

Kimiko kniebeugen

Wie siehst Du persönlich die Zukunft des Powerliftings in Deutschland?

Die Zukunft des Powerliftings in Deutschland scheint mir im Moment ein wenig gefährdet, aber nicht primär durch die Existenz der vielen verschiedenen Verbände mit eigenen Regeln, der dadurch erschwerten olympischen Anerkennung, oder den zum Teil wegen der Kraftdreikampf-Ausrüstungsgegenstände schon ziemlich inflationierten Leistungen; Vielmehr geben mir die Reaktionen meiner Umgebung zu denken, wenn mal der Kraftdreikampf zur Sprache kommt. Mit wenigen Ausnahmen wird die Ausübung meines Sports und die Tatsache, daß ich dadurch ein bißchen mehr Muskulatur als "normale" Frauen habe, als grauenhaft empfunden, oder im besten Fall mit Kopfschütteln unter der Rubrik "Irren ist menschlich" eingeordnet. Insbesondere bei den Frauen scheint auch schon ein bißchen Muskulatur als ein Schönheitsfehler empfunden zu werden, was man nicht zuletzt an den Kleidergrößen in den Damenabteilungen der Kaufhäuser feststellen kann.

Auch wenn man die weiblichen Teilnehmerzahlen auf Landesmeisterschaften oder sogar der Deutschen Meisterschaft mit vergleichbaren amerikanischen Veranstaltungen vergleicht, so muß man feststellen, daß dieser Sport in Amerika von viel mehr Frauen ausgeübt wird, als dies hier der Fall ist. Manchmal mache ich mir schon Sorgen, daß es in Deutschland im Powerlifting zur Zeit nur wenig Nachwuchs bei den Frauen gibt.

Daher versuche ich, in dem Fitness-Studio wo ich trainiere, mich mit so vielen Mitgliedern wie möglich anzufreunden, ihnen bei der Verbesserung ihrer Technik zu helfen, und vielleicht den einen oder anderen auch für das Powerlifting zu gewinnen.

Möchtest Du zum Abschluss des Interviews noch etwas loswerden?

Zunächst würde ich Dir, lieber Andreas, gerne sagen, daß ich mich sehr freue, daß Du mir die Gelegenheit zu diesem Interview gegeben hast.

Dann würde ich mich gerne noch bei allen bedanken, die mir mit dem Kraftdreikampf geholfen haben, insbesondere auch bei Gunda, Markus, Gerd, Hardy, Kristy, Sascha, meinen Trainingspartnern Marco und Reys, und natürlich ganz besonders bei meinem Mann Robert.