Wie bist Du schließlich zum Kraftdreikampf gekommen?
Zum Kraftdreikampf bin ich eher über Umwege gekommen. Alles begann damit, als ich im Alter von 20 Jahren feststellte, daß ich nicht mal stark genug war, um alleine auf einen Baum zu klettern, und beschloß noch an dem Tag, daß sich dies ändern müsse.
Also ging ich guten Mutes zu dem nächstgelegenen Fitness-Studio, wo ich dann die folgenden zwei Jahre damit vergeudete, das Ein-Satz-System an Maschinen auszuüben (Freihanteln gab es in dem Studio nicht).
Nach dem anfänglichen Kraftzuwachs blieben die Fortschritte natürlich aus, was mich dazu bewegte, das Studio zu wechseln. Hier, im "Health-Studio", gab es ein Mitglied ("Gerd"), dem ich meine Einführung in den Kraftdreikampf verdanke. Er brachte mir mit viel Geduld die Kniebeuge und das Kreuzheben bei, von denen ich bis dahin noch nie etwas gehört hatte, und erzählte mir auch, daß es Wettkämpfe im Dreikampf gibt.
Als sich herausstellte, daß ich auch gerne mal einen Wettkampf machen würde , machte Gerd mich mit dem Sportwart des Kölner AC's bekannt, Herrn Nategh Andam, der sich auch "Sascha" nennt.
Wer hat Dir am Anfang Im KDK geholfen und wie sah damals Dein Training aus?
Sascha war mein erster Kraftdreikampf-Trainer. Er half mir, an meiner Technik zu arbeiten, und verbrachte viel Zeit und Mühe damit, Trainingsprogramme für mich zu entwickeln. Eines seiner Lieblingsmottos beim Training war: "Stelle keine Fragen, sondern höre nur auf meine Worte".
Häufig beaufsichtigte er auch mein Training, was ihn oft zu spontanen Änderungen seines Programms animierte. Im Allgemeinen aber sollte ich zwei oder alle drei Grundübungen an jedem Trainingstag (3 Tage pro Woche) trainieren, wobei die Gewichte meist nur 50-60 Prozent meiner Bestleistung betrugen. Die Pausen zwischen den Sätzen waren kurz (etwa nur 1 Minute), und sowohl die Anzahl der Wiederholungen als auch der verschiedenen Nebenübungen war hoch.
Auf der anderen Seite kam es hin und wieder auch vor, daß wir die leichten Sätze auf Saschas Programm unterbrachen, um einen schweren Satz oder eine Einzelwiederholung für einen dabeistehenden Zuschauer auszuführen.
Hingabe, Leidenschaft und Verzicht gelten als die Eigenschaften, die nötig sind, um ein Stück auf dem Klavier in höchster Vollendung spielen zu können. Würdest Du sagen, dass Dir diese Eigenschaften auch beim Kraftdreikampftraining helfen?
Hingabe und Leidenschaft sind in der Tat unabdingbar wichtige Eigenschaften, um ein Werk so spielen zu können, daß das Spiel des Künstlers die Seelen der Zuhörer berührt und Teil der musikalischen Emotionen werden läßt.
Verzicht ist sicherlich eine unvermeidbare Nebenerscheinung fast jeden Strebens nach der vielfach so unerreichbar scheinenden Idee der Perfektion. Schon als Kinder hatten meine Geschwister und ich keine Zeit für Freunde, Freizeit oder regelmäßigen Sport, und meine Eltern nahmen große finanzielle Opfer auf sich, um die kostspieligen Bürden einer musikalischen Ausbildung für drei Kinder nur mit den Einnahmen der freiberuflichen Klavierunterrichtstätigkeit meiner Mutter bewältigen zu können.
Ich glaube, daß alle drei von Dir angesprochenen Eigenschaften- Hingabe, Leidenschaft, und Verzicht- durch so viele Jahre der Beschäftigung mit der Musik ein fester Teil meines Charakters geworden sind, und deswegen auch meine Einstellung zum Kraftdreikampf auf jeden Fall von diesen Eigenschaften geprägt ist.
Ich würde gerne noch kurz ansprechen, wie sehr mein Klavierspiel von meiner Beschäftigung mit dem Kraftdreikampf profitiert hat. Rein spieltechnisch gesehen, ist durch das vom Training erhöhte Gewicht meiner Arme und meines Oberkörpers mein Anschlag, insbesondere im lauten und akkordischen Spiel, viel voller und runder geworden, als ich es früher für möglich gehalten hätte. Außerdem fühle ich mich jetzt noch sehr viel wohler als früher beim solistischen Auftreten, was ich in großem Maße auf einen größeren Glauben an mich selbst zurückführe, den ich durch das Besiegen meiner Nervosität vor schweren Versuchen gewonnen habe.
Als Konzertpianistin und Klavierlehrerin hast Du einen vollen Terminkalender. Kannst Du trotzdem regelmäßig trainieren?
Für viele Liebhaber der klassischen Musik und des Ishizaka-Trios wäre es sicher schockierend zu erfahren, daß einer meiner großen persönlichen Gründe gegen das Weiterführen des Trios der Kraftdreikampf war. Sicher ist es ein Zeichen meiner Leidenschaft für den Sport, daß ich sehr unglücklich wurde, wenn ich während einer Reise oder einer Probenphase nicht in der Lage war, mein Training zu absolvieren, und dadurch natürlich auch meine Trainingsfortschritte litten.

So entschloß ich mich dazu, meinen Stundenplan Kraftdreikampf-freundlicher zu gestalten: Ich erweiterte meine Unterrichtsstelle an der Musikschule von einem Tag auf drei Tage pro Woche, und reduzierte dafür die Anzahl meiner Konzerte drastisch. So bin ich in der Lage, regelmäßig trainieren zu können, ohne über terminliche Hindernisse stolpern zu müssen.
Auf welchen Grundregeln basiert Dein Training?
3 bis 5 Wiederholungen mit relativ schweren Gewichten in den drei Grundübungen und 6 bis 10 Wiederholungen in den Nebenübungen sind nach meiner bisherigen Erfahrung der beste Weg zum Kraftaufbau für mich.
In der Kniebeuge und dem Kreuzheben trainiere ich grundsätzlich immer nach einem vorgeplanten 12- oder 16- Wochenprogramm, in dem ich die Satz- und Wiederholungszahlen im Voraus genau festlege. Für die letzte (und schwerste) Woche nehme ich mir eine neue persönliche Bestleistung vor, und zwar entweder eine neue Einzelwiederholung, oder eine 3-er Wiederholung mit einem Gewicht, mit dem ich vorher noch keine 3-er geschafft habe.
Bisher habe ich als Richtlinie für meine Trainingsprogramme immer eine "Straight Progression Routine" benutzt, bei der über die Wochen die Gewichte gesteigert und die Wiederholungen reduziert werden, aber über die vergangenen vier Monate habe ich erstmalig die "Rick Gaugler Routine" benutzt, bei der man alle vier Wochen das Trainingsgewicht wieder etwas reduziert, und habe festgestellt, daß ich zum ersten Mal gar keine Ermüdungserscheinungen zum Ende des Programms hatte, wie das vorher immer der Fall war. (Außerdem habe ich am Ende des Programms 2x3 WDH mit 7.5 kg mehr als meine bisherige Einzelwiederholungs- Bestleistung in der Kniebeuge schaffen können).
Im Bankdrücken, bei dem ich die größten Schwierigkeiten habe, stärker zu werden, und das auch im direktesten Konflikt zu dem sehr anstrengenden Üben am Klavier steht, habe ich das große Glück, mich an eine Quelle großen Wissens wenden zu dürfen (Gunda Fiona von Bachhaus), wenn ich mal wieder nicht weiterkomme. Zum Glück gelingt es Gunda immer, mir genau das Richtige zu raten, daß ich doch wieder Fortschritte mache.
Was die Aufteilung der Übungen angeht, so habe ich früher zwar auch gerne Ganzkörpertraining gemacht (z.B. "Bill Starr's Power Routine" und Stephan Korte's "3x3 Programm"), aber habe im vergangenen Jahr mehr Erfolg damit gehabt, das Bankdrücken an zwei Tagen gesondert zu trainieren, Kniebeuge und Kreuzheben auf einen Tag zusammenzulegen, und dazwischen noch einen Tag für Bein- und Bauch- Nebenübungen einzuschieben.
Ich trainiere meistens ohne Ausrüstung (nur mit Handgelenksbandagen beim Bankdrücken), und auch meinen Gürtel mache ich nur eng, wenn ich schwere Sätze mache. Das Training mit Anzug, Bandagen und Bankdrückhemd beginne ich immer erst einige Wochen vor dem Wettkampf.
Achtest Du besonders auf Deine Ernährung?
Eigentlich nur ein bißchen- ich achte nur darauf, daß meine Ernährung möglichst eiweißreich und gleichzeitig fettarm ist, soweit es möglich ist. Ich esse sehr gerne Quark, Fisch, Ei(klar), Geflügel, und gelegentlich auch Rindfleisch. Allerdings esse ich nicht mehr als höchstens 120 g Eiweiß pro Tag (bei ca 76 kg Körpergewicht).
Ohne Kohlenhydrate zu leben, kann ich mir auch nicht vorstellen, vor allem nicht an Trainingstagen. Ich zähle zwar nicht so genau, wieviel Gramm ich zu mir nehme, aber ich esse 2-3 Portionen Kohlenhydrate pro Tag, Müsli zum Frühstück und später etweder Reis, Nudeln, Kartoffeln oder Vollkornbrot.