Kimiko Douglass-Ishizaka - Gefühlvolles Spiel mit starker Hand

von Andreas Hadel

Bereits der Name von Kimiko Douglass-Ishizaka deutet auf eine interessante Persönlichkeit hin. Lernen Sie in dem folgenden Interview eine Athletin kennen, die nicht nur wegen ihres Kampfgeists an der Hantel zu faszinieren weiß.

Du hast asiatische Wurzeln, besitzt einen US-amerikanischen Pass und lebst in Deutschland. Das klingt nach einer sehr interessanten Biographie. Bitte erzähle uns doch ein wenig über Dich.

Meine Familie ist in der Tat sehr "international": Meine deutsche Mutter und mein japanischer Vater lernten sich in Frankreich kennen, wo mein Vater zu der Zeit seiner Tätigkeit als Skilehrer nachging.

Nachdem ein starker nächtlicher Schneefall meinen Vater von der Idee abbrachte, wegen Schneemangels schnellstens wieder abzureisen, wurde die gemeinsame Zukunft meiner Eltern bald schon eine beschlossene Sache.

Sie vollbrachten nach ihrer Heirat dann die beachtliche Leistung, innerhalb von 29 Monaten die Eltern dreier Kinder zu werden. So wuchs ich als Älteste mit zwei jüngeren Brüdern auf, die während meiner gesamten Kindheit meine besten Freunde und Spielkameraden waren.

Die Internationalität meiner Familie entwickelte sich noch weiter, als ich 1997 während eines Gaststudiums in Amerika meinen lieben Mann Robert kennenlernte, den ich 2001 heiratete. Einen US-amerikanischen Paß besitze ich allerdings nicht.

Chopin hat die meisten seiner Werke unter großen Schmerzen komponiert. Das läßt auf eine sehr tiefe Leidenschaft für Musik schließen. Welche Rolle nimmt die klassische Musik in deinem Leben ein?

Ich habe mich schon mehrmals gefragt, wie ich leben würde, wenn ich nicht mehr in der Lage wäre, klassische Musik zu hören, und auch insbesondere sie selbst zu machen; Dabei mußte ich mir eingestehen, daß ich mir ein Leben ohne Musik nicht vorstellen kann, und schon bei dem Versuch, darüber nachzudenken, eine unvergleichliche Leere in mir feststellte.

Meine Brüder und ich haben alle drei das "absolute Gehör", was bedeutet, daß wir auch ohne Instrument oder andere Hilfsmittel Töne bestimmen können, und umgekehrt auch jeden beliebigen Ton singen können. Vielleicht ist es durch das absolute Gehör, daß ich in der Lage bin, Musik so genau in meinem Kopf zu hören, als spielte ich sie auf dem Instrument: Ich erlebe jede Harmonie und jede Stimme, glasklar. Das bedeutet, daß mich die Musik durch den ganzen Tag begleitet.

Was hat es mit dem Ishizaka Trio auf sich?

Schon meine Großmutter soll gesagt haben, meine Eltern sollten 3 Kinder bekommen, so daß wir als Klaviertrio (Klavier, Geige, Cello) spielen könnten. So wurde also im Alter von 4 Jahren schon der Instrumentalunterricht begonnen- ich lernte Klavier, und meine Brüder Kiyondo und Danjulo lernten Geige und Cello.

Als wir nur 7,6 bzw 5 Jahre alt waren, setzte meine Mutter uns schon zu den ersten Trioproben zusammen, und nicht lange danach wurden wir bereits 1. Preisträger des Wettbewerbs "Jugend Musiziert".

Es folgten zahlreiche 1. Preise auf Landes,- Bundes,- und internationaler Ebene. Unter anderem wurde das Trio in 3 aufeinanderfolgenden Jahren 1. Preisträger des internationalen "Charles Hennen Concours", und im Jahre 1998 erspielten wir uns den ersten Preis beim Deutschen Musikwettbewerb. (Das ist wie der 1. Platz bei der Deutschen Meisterschaft im Dreikampf).

Um die musikalische Weiterentwicklung dieses lebensbestimmenden Projektes unserer Kindheit und Jugend zu garantieren, war meinen Eltern kein Weg zu lang, und keine Hürde zu hoch: Zusätzlich zum Instrumentalunterricht erhielten wir nicht nur gesonderten Trio-Unterricht, sondern wir reisten oft Hunderte von Kilometern, um Unterricht bei berühmten Professoren zu nehmen; Auf eindringliches Schildern unserer schwierigen finanziellen Lage hin schenkte eine großzügige Person des öffentlichen Lebens dem Trio einen Flügel; Außerdem gelang es meiner Mutter, den deutschen Ministerien die bis dahin noch niemand erteilte Erlaubnis abzuringen, das Trio von bestimmten Schulfächern vollständig befreien zu lassen, damit diese Zeit durch Üben und Proben genutzt werden konnte.

Ishizaka-Trio in Nizza

Als meine Brüder und ich im Jahr 2001 beschlossen, in der Zukunft unseren solistischen Tätigkeiten Vorrang vor dem Triospiel zu geben, und die Triokonzerte zumindest vorerst ganz aufzugeben, war dies eine so schwere Enttäuschung für unsere Mutter, daß sie diese auch bis heute nicht vollständig überwunden hat.

Ihr habt ein Album mit Werken von Mozart, Schubert und Ravel aufgenommen. Gibt es darauf ein Stück, dass Du besonders hervorheben würdest?

Bei so wunderbaren Werken habe ich immer das Gefühl, daß jedes Stück, an dem ich gerade arbeite, das "großartigste Werk, daß je geschrieben wurde", ist. Da Schubert allerdings für mich schon seit meiner frühen Kindheit als Lieblingskomponist ganz oben steht, macht mir die Beschäftigung mit seinem Werken ganz besondere Freude. Bereits mit 10 Jahren habe ich mir seine späte Klaviersonate in B-dur beigebracht, weil ich so beeindruckt von ihr war.

Nicht jeder findet Gefallen an der klassischen Musik. Selbst die Ehefrau des Komponisten und Pianisten Joseph Haydn teilte seine Liebe zur Musik überhaupt nicht, weshalb er ihr den Kosenamen "höllische Bestie" gab. Hast Du in dieser Hinsicht mit Deinem Mann mehr Glück?

Daß nicht jeder Gefallen an der klassischen Musik findet, erfuhr ich bereits nachdrücklich in meiner Schulzeit, und zwar vom ersten Schuljahr an. Die Tatsache, daß ich mich nachmittags nicht verabreden konnte, weil ich zuhause bleiben mußte, um zu üben, wurde von meinen Mitschülern als sehr "uncool" empfunden, weshalb ich- mit wenigen Ausnahmen- von meinen Mitschülern zutiefst verachtet und gehänselt wurde.

Aber sicher hätte mir all dies damals viel weniger zugesetzt, wenn ich gewußt hätte, was für einen wunderbaren Mann ich später kennenlernen dürfte. Bevor mein Mann vor drei Jahren zum Computer-Programmieren umsattelte war er selbst Musiker, und obwohl sein Instrument, das Waldhorn, nicht gerade ein direkter Verwandte des Klaviers ist, (und, wie mein armer Mann schon nach kurzer Zeit herausfinden wollte, auch nicht mein absolutes Lieblingsinstrument), so haben wir doch den Vorteil, daß wir beide die klassischen Musik aus der Perspektive aktiver Musiker erleben und betrachten können.

Ich glaube, daß unsere gemeinsame Liebe zur Musik ein wichtiger Bestandteil unserer Beziehung ist, und schätze die von tiefem musikalischen Verständnis geprägten Anregungen meines Mannes für mein Spiel enorm.