Im November 2004 hat mir Andreas Hadel von PowerTraining Online die Gelegenheit gegeben, ein Interview zum Thema Klavierspielen und Kraftdreikampf-Training zu geben.
Natürlich möchte ich mich besonders herzlich bei Andreas bedanken, daß ich das Interview auch auf meiner Seite veröffentlichen darf!
Bereits der Name von Kimiko Douglass-Ishizaka deutet auf eine interessante Persönlichkeit hin. Lernen Sie in dem folgenden Interview eine Athletin kennen, die nicht nur wegen ihres Kampfgeists an der Hantel zu faszinieren weiß.
Du hast asiatische Wurzeln, besitzt einen US-amerikanischen Pass und lebst in Deutschland. Das klingt nach einer sehr interessanten Biographie. Bitte erzähle uns doch ein wenig über Dich.
Meine Familie ist in der Tat sehr "international": Meine deutsche Mutter und mein japanischer Vater lernten sich in Frankreich kennen, wo mein Vater zu der Zeit seiner Tätigkeit als Skilehrer nachging.
Nachdem ein starker nächtlicher Schneefall meinen Vater von der Idee abbrachte, wegen Schneemangels schnellstens wieder abzureisen, wurde die gemeinsame Zukunft meiner Eltern bald schon eine beschlossene Sache.
Sie vollbrachten nach ihrer Heirat dann die beachtliche Leistung, innerhalb von 29 Monaten die Eltern dreier Kinder zu werden. So wuchs ich als Älteste mit zwei jüngeren Brüdern auf, die während meiner gesamten Kindheit meine besten Freunde und Spielkameraden waren.
Die Internationalität meiner Familie entwickelte sich noch weiter, als ich 1997 während eines Gaststudiums in Amerika meinen lieben Mann Robert kennenlernte, den ich 2001 heiratete. Einen US-amerikanischen Paß besitze ich allerdings nicht.
Chopin hat die meisten seiner Werke unter großen Schmerzen komponiert. Das läßt auf eine sehr tiefe Leidenschaft für Musik schließen. Welche Rolle nimmt die klassische Musik in deinem Leben ein?
Ich habe mich schon mehrmals gefragt, wie ich leben würde, wenn ich nicht mehr in der Lage wäre, klassische Musik zu hören, und auch insbesondere sie selbst zu machen; Dabei mußte ich mir eingestehen, daß ich mir ein Leben ohne Musik nicht vorstellen kann, und schon bei dem Versuch, darüber nachzudenken, eine unvergleichliche Leere in mir feststellte.
Meine Brüder und ich haben alle drei das "absolute Gehör", was bedeutet, daß wir auch ohne Instrument oder andere Hilfsmittel Töne bestimmen können, und umgekehrt auch jeden beliebigen Ton singen können. Vielleicht ist es durch das absolute Gehör, daß ich in der Lage bin, Musik so genau in meinem Kopf zu hören, als spielte ich sie auf dem Instrument: Ich erlebe jede Harmonie und jede Stimme, glasklar. Das bedeutet, daß mich die Musik durch den ganzen Tag begleitet.
Was hat es mit dem Ishizaka Trio auf sich?
Schon meine Großmutter soll gesagt haben, meine Eltern sollten 3 Kinder bekommen, so daß wir als Klaviertrio (Klavier, Geige, Cello) spielen könnten. So wurde also im Alter von 4 Jahren schon der Instrumentalunterricht begonnen- ich lernte Klavier, und meine Brüder Kiyondo und Danjulo lernten Geige und Cello.
Als wir nur 7,6 bzw 5 Jahre alt waren, setzte meine Mutter uns schon zu den ersten Trioproben zusammen, und nicht lange danach wurden wir bereits 1. Preisträger des Wettbewerbs "Jugend Musiziert".
Es folgten zahlreiche 1. Preise auf Landes,- Bundes,- und internationaler Ebene. Unter anderem wurde das Trio in 3 aufeinanderfolgenden Jahren 1. Preisträger des internationalen "Charles Hennen Concours", und im Jahre 1998 erspielten wir uns den ersten Preis beim Deutschen Musikwettbewerb. (Das ist wie der 1. Platz bei der Deutschen Meisterschaft im Dreikampf).
Um die musikalische Weiterentwicklung dieses lebensbestimmenden Projektes unserer Kindheit und Jugend zu garantieren, war meinen Eltern kein Weg zu lang, und keine Hürde zu hoch: Zusätzlich zum Instrumentalunterricht erhielten wir nicht nur gesonderten Trio-Unterricht, sondern wir reisten oft Hunderte von Kilometern, um Unterricht bei berühmten Professoren zu nehmen; Auf eindringliches Schildern unserer schwierigen finanziellen Lage hin schenkte eine großzügige Person des öffentlichen Lebens dem Trio einen Flügel; Außerdem gelang es meiner Mutter, den deutschen Ministerien die bis dahin noch niemand erteilte Erlaubnis abzuringen, das Trio von bestimmten Schulfächern vollständig befreien zu lassen, damit diese Zeit durch Üben und Proben genutzt werden konnte.

Als meine Brüder und ich im Jahr 2001 beschlossen, in der Zukunft unseren solistischen Tätigkeiten Vorrang vor dem Triospiel zu geben, und die Triokonzerte zumindest vorerst ganz aufzugeben, war dies eine so schwere Enttäuschung für unsere Mutter, daß sie diese auch bis heute nicht vollständig überwunden hat.
Ihr habt ein Album mit Werken von Mozart, Schubert und Ravel aufgenommen. Gibt es darauf ein Stück, dass Du besonders hervorheben würdest?
Bei so wunderbaren Werken habe ich immer das Gefühl, daß jedes Stück, an dem ich gerade arbeite, das "großartigste Werk, daß je geschrieben wurde", ist. Da Schubert allerdings für mich schon seit meiner frühen Kindheit als Lieblingskomponist ganz oben steht, macht mir die Beschäftigung mit seinem Werken ganz besondere Freude. Bereits mit 10 Jahren habe ich mir seine späte Klaviersonate in B-dur beigebracht, weil ich so beeindruckt von ihr war.
Nicht jeder findet Gefallen an der klassischen Musik. Selbst die Ehefrau des Komponisten und Pianisten Joseph Haydn teilte seine Liebe zur Musik überhaupt nicht, weshalb er ihr den Kosenamen "höllische Bestie" gab. Hast Du in dieser Hinsicht mit Deinem Mann mehr Glück?
Daß nicht jeder Gefallen an der klassischen Musik findet, erfuhr ich bereits nachdrücklich in meiner Schulzeit, und zwar vom ersten Schuljahr an. Die Tatsache, daß ich mich nachmittags nicht verabreden konnte, weil ich zuhause bleiben mußte, um zu üben, wurde von meinen Mitschülern als sehr "uncool" empfunden, weshalb ich- mit wenigen Ausnahmen- von meinen Mitschülern zutiefst verachtet und gehänselt wurde.
Aber sicher hätte mir all dies damals viel weniger zugesetzt, wenn ich gewußt hätte, was für einen wunderbaren Mann ich später kennenlernen dürfte. Bevor mein Mann vor drei Jahren zum Computer-Programmieren umsattelte war er selbst Musiker, und obwohl sein Instrument, das Waldhorn, nicht gerade ein direkter Verwandte des Klaviers ist, (und, wie mein armer Mann schon nach kurzer Zeit herausfinden wollte, auch nicht mein absolutes Lieblingsinstrument), so haben wir doch den Vorteil, daß wir beide die klassischen Musik aus der Perspektive aktiver Musiker erleben und betrachten können.
Ich glaube, daß unsere gemeinsame Liebe zur Musik ein wichtiger Bestandteil unserer Beziehung ist, und schätze die von tiefem musikalischen Verständnis geprägten Anregungen meines Mannes für mein Spiel enorm.
Wie bist Du schließlich zum Kraftdreikampf gekommen?
Zum Kraftdreikampf bin ich eher über Umwege gekommen. Alles begann damit, als ich im Alter von 20 Jahren feststellte, daß ich nicht mal stark genug war, um alleine auf einen Baum zu klettern, und beschloß noch an dem Tag, daß sich dies ändern müsse.
Also ging ich guten Mutes zu dem nächstgelegenen Fitness-Studio, wo ich dann die folgenden zwei Jahre damit vergeudete, das Ein-Satz-System an Maschinen auszuüben (Freihanteln gab es in dem Studio nicht).
Nach dem anfänglichen Kraftzuwachs blieben die Fortschritte natürlich aus, was mich dazu bewegte, das Studio zu wechseln. Hier, im "Health-Studio", gab es ein Mitglied ("Gerd"), dem ich meine Einführung in den Kraftdreikampf verdanke. Er brachte mir mit viel Geduld die Kniebeuge und das Kreuzheben bei, von denen ich bis dahin noch nie etwas gehört hatte, und erzählte mir auch, daß es Wettkämpfe im Dreikampf gibt.
Als sich herausstellte, daß ich auch gerne mal einen Wettkampf machen würde , machte Gerd mich mit dem Sportwart des Kölner AC's bekannt, Herrn Nategh Andam, der sich auch "Sascha" nennt.
Wer hat Dir am Anfang Im KDK geholfen und wie sah damals Dein Training aus?
Sascha war mein erster Kraftdreikampf-Trainer. Er half mir, an meiner Technik zu arbeiten, und verbrachte viel Zeit und Mühe damit, Trainingsprogramme für mich zu entwickeln. Eines seiner Lieblingsmottos beim Training war: "Stelle keine Fragen, sondern höre nur auf meine Worte".
Häufig beaufsichtigte er auch mein Training, was ihn oft zu spontanen Änderungen seines Programms animierte. Im Allgemeinen aber sollte ich zwei oder alle drei Grundübungen an jedem Trainingstag (3 Tage pro Woche) trainieren, wobei die Gewichte meist nur 50-60 Prozent meiner Bestleistung betrugen. Die Pausen zwischen den Sätzen waren kurz (etwa nur 1 Minute), und sowohl die Anzahl der Wiederholungen als auch der verschiedenen Nebenübungen war hoch.
Auf der anderen Seite kam es hin und wieder auch vor, daß wir die leichten Sätze auf Saschas Programm unterbrachen, um einen schweren Satz oder eine Einzelwiederholung für einen dabeistehenden Zuschauer auszuführen.
Hingabe, Leidenschaft und Verzicht gelten als die Eigenschaften, die nötig sind, um ein Stück auf dem Klavier in höchster Vollendung spielen zu können. Würdest Du sagen, dass Dir diese Eigenschaften auch beim Kraftdreikampftraining helfen?
Hingabe und Leidenschaft sind in der Tat unabdingbar wichtige Eigenschaften, um ein Werk so spielen zu können, daß das Spiel des Künstlers die Seelen der Zuhörer berührt und Teil der musikalischen Emotionen werden läßt.
Verzicht ist sicherlich eine unvermeidbare Nebenerscheinung fast jeden Strebens nach der vielfach so unerreichbar scheinenden Idee der Perfektion. Schon als Kinder hatten meine Geschwister und ich keine Zeit für Freunde, Freizeit oder regelmäßigen Sport, und meine Eltern nahmen große finanzielle Opfer auf sich, um die kostspieligen Bürden einer musikalischen Ausbildung für drei Kinder nur mit den Einnahmen der freiberuflichen Klavierunterrichtstätigkeit meiner Mutter bewältigen zu können.
Ich glaube, daß alle drei von Dir angesprochenen Eigenschaften- Hingabe, Leidenschaft, und Verzicht- durch so viele Jahre der Beschäftigung mit der Musik ein fester Teil meines Charakters geworden sind, und deswegen auch meine Einstellung zum Kraftdreikampf auf jeden Fall von diesen Eigenschaften geprägt ist.
Ich würde gerne noch kurz ansprechen, wie sehr mein Klavierspiel von meiner Beschäftigung mit dem Kraftdreikampf profitiert hat. Rein spieltechnisch gesehen, ist durch das vom Training erhöhte Gewicht meiner Arme und meines Oberkörpers mein Anschlag, insbesondere im lauten und akkordischen Spiel, viel voller und runder geworden, als ich es früher für möglich gehalten hätte. Außerdem fühle ich mich jetzt noch sehr viel wohler als früher beim solistischen Auftreten, was ich in großem Maße auf einen größeren Glauben an mich selbst zurückführe, den ich durch das Besiegen meiner Nervosität vor schweren Versuchen gewonnen habe.
Als Konzertpianistin und Klavierlehrerin hast Du einen vollen Terminkalender. Kannst Du trotzdem regelmäßig trainieren?
Für viele Liebhaber der klassischen Musik und des Ishizaka-Trios wäre es sicher schockierend zu erfahren, daß einer meiner großen persönlichen Gründe gegen das Weiterführen des Trios der Kraftdreikampf war. Sicher ist es ein Zeichen meiner Leidenschaft für den Sport, daß ich sehr unglücklich wurde, wenn ich während einer Reise oder einer Probenphase nicht in der Lage war, mein Training zu absolvieren, und dadurch natürlich auch meine Trainingsfortschritte litten.

So entschloß ich mich dazu, meinen Stundenplan Kraftdreikampf-freundlicher zu gestalten: Ich erweiterte meine Unterrichtsstelle an der Musikschule von einem Tag auf drei Tage pro Woche, und reduzierte dafür die Anzahl meiner Konzerte drastisch. So bin ich in der Lage, regelmäßig trainieren zu können, ohne über terminliche Hindernisse stolpern zu müssen.
Auf welchen Grundregeln basiert Dein Training?
3 bis 5 Wiederholungen mit relativ schweren Gewichten in den drei Grundübungen und 6 bis 10 Wiederholungen in den Nebenübungen sind nach meiner bisherigen Erfahrung der beste Weg zum Kraftaufbau für mich.
In der Kniebeuge und dem Kreuzheben trainiere ich grundsätzlich immer nach einem vorgeplanten 12- oder 16- Wochenprogramm, in dem ich die Satz- und Wiederholungszahlen im Voraus genau festlege. Für die letzte (und schwerste) Woche nehme ich mir eine neue persönliche Bestleistung vor, und zwar entweder eine neue Einzelwiederholung, oder eine 3-er Wiederholung mit einem Gewicht, mit dem ich vorher noch keine 3-er geschafft habe.
Bisher habe ich als Richtlinie für meine Trainingsprogramme immer eine "Straight Progression Routine" benutzt, bei der über die Wochen die Gewichte gesteigert und die Wiederholungen reduziert werden, aber über die vergangenen vier Monate habe ich erstmalig die "Rick Gaugler Routine" benutzt, bei der man alle vier Wochen das Trainingsgewicht wieder etwas reduziert, und habe festgestellt, daß ich zum ersten Mal gar keine Ermüdungserscheinungen zum Ende des Programms hatte, wie das vorher immer der Fall war. (Außerdem habe ich am Ende des Programms 2x3 WDH mit 7.5 kg mehr als meine bisherige Einzelwiederholungs- Bestleistung in der Kniebeuge schaffen können).
Im Bankdrücken, bei dem ich die größten Schwierigkeiten habe, stärker zu werden, und das auch im direktesten Konflikt zu dem sehr anstrengenden Üben am Klavier steht, habe ich das große Glück, mich an eine Quelle großen Wissens wenden zu dürfen (Gunda Fiona von Bachhaus), wenn ich mal wieder nicht weiterkomme. Zum Glück gelingt es Gunda immer, mir genau das Richtige zu raten, daß ich doch wieder Fortschritte mache.
Was die Aufteilung der Übungen angeht, so habe ich früher zwar auch gerne Ganzkörpertraining gemacht (z.B. "Bill Starr's Power Routine" und Stephan Korte's "3x3 Programm"), aber habe im vergangenen Jahr mehr Erfolg damit gehabt, das Bankdrücken an zwei Tagen gesondert zu trainieren, Kniebeuge und Kreuzheben auf einen Tag zusammenzulegen, und dazwischen noch einen Tag für Bein- und Bauch- Nebenübungen einzuschieben.
Ich trainiere meistens ohne Ausrüstung (nur mit Handgelenksbandagen beim Bankdrücken), und auch meinen Gürtel mache ich nur eng, wenn ich schwere Sätze mache. Das Training mit Anzug, Bandagen und Bankdrückhemd beginne ich immer erst einige Wochen vor dem Wettkampf.
Achtest Du besonders auf Deine Ernährung?
Eigentlich nur ein bißchen- ich achte nur darauf, daß meine Ernährung möglichst eiweißreich und gleichzeitig fettarm ist, soweit es möglich ist. Ich esse sehr gerne Quark, Fisch, Ei(klar), Geflügel, und gelegentlich auch Rindfleisch. Allerdings esse ich nicht mehr als höchstens 120 g Eiweiß pro Tag (bei ca 76 kg Körpergewicht).
Ohne Kohlenhydrate zu leben, kann ich mir auch nicht vorstellen, vor allem nicht an Trainingstagen. Ich zähle zwar nicht so genau, wieviel Gramm ich zu mir nehme, aber ich esse 2-3 Portionen Kohlenhydrate pro Tag, Müsli zum Frühstück und später etweder Reis, Nudeln, Kartoffeln oder Vollkornbrot.
Wie siehst Du Deine sportliche Zukunft und was dürfen wir in naher Zukunft von Dir erwarten?
Ich plane, so lange es mir möglich ist, Wettkämpfe im Dreikampf zu machen. Wenn ich die Gelegenheit erhalten sollte, würde ich auch sehr gerne die Übungen des Gewichthebens erlernen, aber natürlich nur zum Spaß, und nicht für Wettkämpfe.
Als Ziele im Dreikampf für die nahe Zukunft habe ich mir gesetzt, über 400 kg in der Gesamtleistung mit Ausrüstung zu schaffen (zum Beispiel 150 kg Kniebeuge/ 85 kg Bankdrücken/ 167.5 kg Kreuzheben).
Außerdem würde ich gerne nächstes Jahr mal einen Wettkampf ohne Ausrüstung machen. Mein Ziel dafür wäre es, wenn ein Gürtel erlaubt wäre, über 350 Kilo in der Gesamtleistung zu schaffen, (z.B. 122.5 kg/ 75 kg/ 155 kg).
Ich bin mir sicher, daß so ein Raw-Wettkampf auch meinem Mann Robert sehr gut gefallen würde, der mir immer die Ausrüstung anziehen muß...
Von Deinen Konzertauftritten bist Du sicher Lampenfieber gewöhnt. Wie groß ist Deine Aufregung bei einem KDK-Wettkampf?
Insgesamt bin ich vor Konzertauftritten nur selten nervös; Schließlich bin ich schon mit 5 Jahren zum ersten Mal öffentlich aufgetreten, und habe daher viele Jahre Vorspielerfahrung. Aber selbst als ich noch sehr klein war, hatte ich kein Lampenfieber, weil meine Mutter mir geschickterweise einzureden wußte, daß die Konzertbesucher keine Ahnung von Musik hätten, und deshalb sowieso nicht merken würden, wenn ich mich mal verspielte.
Ein bißchen Lampenfieber vor Konzertauftritten bekomme ich entweder, wenn ich weiß, daß andere Musiker mir zuhören, oder wenn neue oder besonders schwierige Stücke auf dem Programm stehen. Aber selbst wenn ich vorher nervös war, vergesse ich das meistens innerhalb der ersten Minuten des Konzerts, weil ich mich dann ganz auf die Musik konzentriere.
Anders sieht das bei KDK-Wettkämpfen aus! Ich habe noch keinen Wettkampf gemacht, bei dem ich es geschafft hätte, in der Nacht zuvor mehr als drei bis vier Stunden zu schlafen. Am schlimmsten war meine Aufregung vor der Deutschen Meisterschaft im Juni 04, da habe ich in vorhergehenden Nacht nur zwei Stunden schlafen können.
Hast Du sportliche oder musikalische Vorbilder?
Vor mehreren Jahren las ich einen Artikel im Time-Magazin über eine Frau, die nicht nur Weltmeisterin im Kugelstoßen war, sondern außerdem noch Pianistin! Als sie mit ihrer Wettkampfkarriere fertig war, konzertierte sie als Pianistin und spielte insbesondere das 3. Klavierkonzert von Sergei Rachmaninoff, das auch eines meiner besonderen Lieblingskonzerte ist.
Leider habe ich mir damals nicht den Namen dieser Frau gemerkt, und da der Artikel zum Anlaß ihres Todes erschienen war, hatte ich auch keine Gelegenheit, mit ihr in Kontakt zu kommen. Aber auch wenn ich sie nicht kennenlernen konnte, war es eine große Inspiration für mich zu erfahren, daß es jemand geschafft hatte, eine Doppelkarriere im Sport und in der Musik zu haben!
Sportliche und musikalische Vorbilder, die ich persönlich kennen darf, und die mich durch ihren Charakter, ihr Talent und ihre fantastischen, in so jungem Alter schon erbrachten Leistungen immer wieder dazu motivieren, noch mehr an mir selbst zu arbeiten, sind Gunda und mein Bruder Danjulo.
Was hältst Du von anderen Kraftsportarten (zB.: Bodybuilding und Strongmen)?
Ich freue mich über alle Menschen, die sich aktiv mit irgend einer Art von Kraftsport beschäftigen- denn jede(r) Trainierende, von der älteren Dame im Fitness-Studio bis hin zum Strongman, wird durch die Beschäftigung mit dem Kraftsport immer wieder die Gelegenheit haben, sowohl auf körperlicher als auch mentaler Ebene neue ungeahnte Kräfte in sich zu entdecken, und dadurch einen persönlichen Wachstum zu erleben, der weit über den reinen Muskelaufbau hinausgeht.
Auch die Idee des Bodybuildings finde ich sehr schön. Allerdings bedauere ich etwas die Unvermeidbarkeit von Steroiden und Wachstumshormonen im professionellen Bodybuilding, und das fängt heutzutage ja schon bei Bezirksmeisterschaften an. Dies führt nicht selten auch zu überzogenen Zielsetzungen und Erwartungen bei Freizeit-Bodybuildern, die oft sogar ohne irgendwelche Wettkampfabsichten durch Steroidkonsum ihre Gesundheit gefährden, um dem zweifelhaften Beispiel der Profis nachzueifern.

Wie siehst Du persönlich die Zukunft des Powerliftings in Deutschland?
Die Zukunft des Powerliftings in Deutschland scheint mir im Moment ein wenig gefährdet, aber nicht primär durch die Existenz der vielen verschiedenen Verbände mit eigenen Regeln, der dadurch erschwerten olympischen Anerkennung, oder den zum Teil wegen der Kraftdreikampf-Ausrüstungsgegenstände schon ziemlich inflationierten Leistungen; Vielmehr geben mir die Reaktionen meiner Umgebung zu denken, wenn mal der Kraftdreikampf zur Sprache kommt. Mit wenigen Ausnahmen wird die Ausübung meines Sports und die Tatsache, daß ich dadurch ein bißchen mehr Muskulatur als "normale" Frauen habe, als grauenhaft empfunden, oder im besten Fall mit Kopfschütteln unter der Rubrik "Irren ist menschlich" eingeordnet. Insbesondere bei den Frauen scheint auch schon ein bißchen Muskulatur als ein Schönheitsfehler empfunden zu werden, was man nicht zuletzt an den Kleidergrößen in den Damenabteilungen der Kaufhäuser feststellen kann.
Auch wenn man die weiblichen Teilnehmerzahlen auf Landesmeisterschaften oder sogar der Deutschen Meisterschaft mit vergleichbaren amerikanischen Veranstaltungen vergleicht, so muß man feststellen, daß dieser Sport in Amerika von viel mehr Frauen ausgeübt wird, als dies hier der Fall ist. Manchmal mache ich mir schon Sorgen, daß es in Deutschland im Powerlifting zur Zeit nur wenig Nachwuchs bei den Frauen gibt.
Daher versuche ich, in dem Fitness-Studio wo ich trainiere, mich mit so vielen Mitgliedern wie möglich anzufreunden, ihnen bei der Verbesserung ihrer Technik zu helfen, und vielleicht den einen oder anderen auch für das Powerlifting zu gewinnen.
Möchtest Du zum Abschluss des Interviews noch etwas loswerden?
Zunächst würde ich Dir, lieber Andreas, gerne sagen, daß ich mich sehr freue, daß Du mir die Gelegenheit zu diesem Interview gegeben hast.
Dann würde ich mich gerne noch bei allen bedanken, die mir mit dem Kraftdreikampf geholfen haben, insbesondere auch bei Gunda, Markus, Gerd, Hardy, Kristy, Sascha, meinen Trainingspartnern Marco und Reys, und natürlich ganz besonders bei meinem Mann Robert.